Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sank 2013 im Vergleich zum Jahr 2012 um 8,1 Prozent.

Sanierung und Restrukturierung

Die Insolvenzordnung stellt verschiedene, effektive Sanierungsinstrumente zur Verfügung.

 

  • Schutzschirmverfahren

    Seit 2012 wird dem Schuldner zur Vorbereitung einer Sanierung im Zeitraum zwischen Eröffnungsantrag und Verfahrenseröffnung ein eigenständiges Sanierungsverfahren zur Verfügung gestellt. Er hat schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung die Chance, im sog. Schutzschirmverfahren (§ 270b InsO) einen Sanierungsplan zu erstellen, der anschließend durch einen Insolvenzplan umgesetzt werden soll. Der Geschäftsführer (verstärkt um einen insolvenzerfahrenen Sanierungsgeschäftsführer, CRO) bleibt weiterhin „Herr des Geschehens“; ihm wird vom Gericht ein vorläufiger Sachwalter zur Seite gestellt, den das insolvente Unternehmen sich selbst aussuchen kann. Am Ende des Schutzschirmverfahrens von längstens drei Monaten steht die Vorlage eines Insolvenzplans, über den dann die Gläubiger im eröffneten Verfahren abstimmen.

    Sollte ein Schutzschirmverfahren nicht in Betracht kommen, steht auch mit dem vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren gem. § 270a InsO ein Sanierungsverfahren zur Verfügung, das dem Schutzschirm nahezu gleichwertig gegenübersteht. Auch hier bleibt der Schuldner „Insolvenzverwalter in eigener Sache“.

  • Insolvenzplan

    Das Insolvenzplanverfahren (§§ 217 ff. InsO) dient der Sanierung des Unternehmensträgers (Eigensanierung). Eine Zerschlagung des Unternehmens wird verhindert – Werte somit erhalten. Das Verfahren ist durch die ESUG-Reform (2012) deutlich verbessert worden: Eingriffe in Anteilsrechte der Gesellschafter z.B. bei einem Gesellschafterstreit (Fall  „Suhrkamp“) sind nunmehr erlaubt;  Forderungen von Gläubigern können in Eigenkapital umgewandelt werden (Debt-Equity-Swap); Rechtsmittel einzelner Gläubiger zur Torpedierung des von der Gläubigermehrheit getragenen Insolvenzplans wurden zurückgefahren usw.. Die Attraktivität des Insolvenzplanverfahrens hat sich damit deutlich verbessert. Nichtsdestotrotz muss der Plan die Gläubiger, die idR. auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten müssen, davon überzeugen, dass sie ohne Plan - also im Fall einer Liquidation - schlechter stünden. Auch muss ein Insolvenzplan eine Perspektive bieten, dass das Unternehmen nach der Sanierung aus eigener Kraft wieder marktfähig ist.

  • Übertragende Sanierung (Asset Deal)

    Die übertragende Sanierung bezeichnet im Insolvenzrecht den Verkauf der Vermögensgegenstände eines insolventen Unternehmens an eine Auffanggesellschaft. Dabei werden die gesunden Teile eines Unternehmens in eine neue Gesellschaft „übertragen“. Arbeitsrechtlich handelt es sich um einen Betriebsübergang, bei dem die Arbeitsplätze kraft Gesetzes auf die neue Gesellschaft übergehen. Die Auffanggesellschaft hat mit den Verbindlichkeiten des insolventen Unternehmens nichts zu tun; die „Passivseite“ und die nicht verwertbaren Gegenstände (z.B. kontaminierte Grundstücke) verbleiben in der vom Insolvenzverwalter verwalteten Insolvenzmasse.